Spenden: Aggerfreibad-retten IBAN: DE 13 3705 0299 1006 0434 39 BIC: COKSDE33XXX Kreissparkasse Köln

Aggerfreibad retten

Im Sommer 2013 habe ich mir eine Kaffeemaschine und ein neues Auto geleistet. Beides ist heute noch prima in Schuss und erfüllt seinen Zweck. Sicher, ich habe auch was dafür tun müssen. Das Auto war regelmäßig zur Inspektion, und wer schon mal eine Espressomaschine zerlegt und gereinigt hat, weiss wie das nerven kann.

Im Sommer 2013 waren die Stadtwerke Toisdorf in ihrem Magazin InTro noch voller Begeisterung für ihr "hochmodernes AGGUA". Die Rede ist von Sauna- und Badelandschaften (ich ziehe lieber draussen meine Bahnen) und man könnte meinen es wird dort ständig gewerkelt und gebaut. Heute, nur 5 Jahre später, ist das Aggerfreibad aber eine hoffnungsloser Sanierungsfall? Aus Sicht der Stadtwerke sollte man plötzlich die Becken zuschütten und das ganze besser schnell vergessen.

Als die Hallenbäder in Sieglar, Troisdorf und Friedrich-Wilhelms-Hütte nach und nach geschlossen wurden und auch die Verantwortung für das Aggerfreibad in die Hände der Stadtwerke überging, haben da die Vertreter der Stadt vergessen darauf hinzuweisen bitte sorgsam damit umzugehen? Oder war das nie die Absicht?

Natürlich geht es dabei um's Geld. Ein Freibad erwirtschaftet im Durchschnitt 27 % der Kosten, ein Freizeitbad 83 %. Soweit richtig. Als ich im Ortsverband der Troisdorfer Grünen von den Umbauplänen erfuhr, die eine Beseitigung des 50-Meter Beckens und des Sprungbeckens einschließen, waren es folgerichtig ganz wesentlich auch die Kosten, die als Argument für die Zustimmung zu den Umbauplänen genannt wurden. Dabei steht immer eine vermutete Zahl von mehreren Millionen Euro im Raum.

Aber was macht das bei einer Investition für ein langfristiges Wirtschaftsgut (sagen wir 30 Jahre) pro Kopf und pro Monat? 50 Cent? Ein Euro? Und was ist das in Relation zum Bau der Stadthalle oder der Möblierung der Fussgängerzone? Mir konnte das niemand sagen - obwohl es mich interessiert hätte.

In Bezug auf die Kosten sollte man auch nicht verschweigen, dass sie den Städtischen Haushalt nicht auf der Ausgaben-, sondern auf der Einnahmenseite betreffen. Die Investition entsteht auf Seiten der Stadtwerke und wird die abzuführenden Überschüsse schmälern. Natürlich steht dem Haushalt dann weniger Geld zur Verfügung. Aber es ist praktisch ausgeschlossen, dass wir aus diesem Grund in eine finanzielle Schieflage kommen. Für kleinere Kommunen ist das durchaus eine Gefahr. Und in diese schicken wir jetzt auch die schwimminteressierten aus Troisdorf. Ein klein wenig selbstsüchtig oder?

Ich finde, das Aggerfreibad ist eine Teil unseres Gemeinwesens; In gutem Sinne bürgerlich und gegen den Trend zur Privatisierung der Freizeit und eine wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Rechts und links, fremdenfeindlich und fremdenfreundlich, Kassen- und Privatpatienten - wenigs­tens ab und zu ins gleiche Wasser zu springen, könnte unseren Zusammenhalt ein wenig stärken.

Wenn vom Gemeinschaftlichen die Rede ist, verweisen die Verantwortlichen auf Seiten der Stadtwerke gern auf die Schwimmvereine, deren Aktivitäten und Nutzungsmöglichkeiten durch den Umbau des Freibades zur Freizeitanlage nicht betroffen seien. Wer das hinterfragen möchte, sollte mit der DLRG-Ortsgruppe Troisdorf sprechen. Das klingt dann ganz anders.

Und was ist mit all denen, die nicht in Vereinen organisert sind, aber trotzdem gern im Sommer ihre Bahnen draussen ziehen? Im Aggerfreibad konnte ich für 4,50 Euro einen Tag in der Sommerfrische verbringen. Das Aggua kostet mich 6,50 Euro - und nach 2 Stunden muss ich gehen.

Wie beurteilen die Troisdorfer Bürger die Tatsache, dass es künftig in Troisdorf nicht mehr möglich sein wird, das Rettungsschwimmerabzeichen zu machen? Das ist eine Voraussetzung für die Ausbildung von Polizisten und Feuerwehrmännern. Wahrscheinlich können Trosidorfer Kinder dann auch kein  goldenes Schwimmabzeichen erwerben. Dafür müsste man vom 3 Meter Brett springen. Das ist dann weg!

Ein Viertel der Deutschen gilt inzwischen als Nichtschwimmer. Die Zahl tödlicher Badeunfälle steigt. Müsste man da nicht etwas anderes tun, als es einfach zum neuen Freizeittrend zu erklären um damit zu begründen, dass wir die mühsam seit der Aufklärung ausgehobenen Schwimmbecken wieder zuschütten?

Warum soll der Troisdorfer Bürger nicht entscheiden können (oder wollen) ob ihm diese Dinge 50 Cent oder 1 Euro im Monat wert sind? Ist schließlich sein Geld oder?

Und ich würde mich freuen, wenn ich auch in Zukunft noch vom Handtuch aufstehen, und die Frage in die Runde stellen könnte: "Geht jemand mit in's Wasser?"

22.12.2018

Stefan Eich

 
 

Thema

Am 14. August 1938 wurde das Troisdorfer Strand- und Sportbad eröffnet.

Lesenswerter Artikel zum 75.Geburtstag des Freibades aus der Ausgabe 2/2013 des Stadtwerkemagazins InTro: "...Immerhin war es in der damaligen Zeit das erste weit und breit, das über ein imposantes Schwimmerbecken verfügte..."

DGfdB-Freibadbefragung 2018: Steigerung der Besucherzahl um 56%

An bundesdurchschnittlich 115 Betriebstagen kamen 61.188 Besuchen pro Freibad. 2017 waren es 41.316. Eine Steigerung um 56% - in NRW sogar um 70% im Vergleich zum Vorjahr.

Durch die Nutzung unseres Angebots stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu.  OK  Weitere Informationen