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Der Rat der Stadt Troisdorf hat ohne Bürgerbeteiligung jede Verfügung über das ehemals kommunale Freibad endgültig in nichtöffentliche Gremien der Betreibergesellschaften verschoben. Das bedeutet eine Beseitigung aller vorhandenen Schwimmbecken und deren Ersatz durch ein einziges Nichtschwimmerbecken. Die Wasserfläche wird auf 1/5 reduziert. Das ehemalige Freibad wird durch einen Spielplatz ersetzt. Das geplante Angebot ist primär auf Familien mit kleineren Kindern ausgelegt und legt auf aktives Schwimmen keinen Wert mehr. Die Inanspruchnahme der geplanten Attraktionen wird nach unserer Einschätzung den Aufenthalt für alle Besuchergruppen verteuern und die Interessen von Jugendlichen, Rentnern und Vereinen werden vernachlässigt. Im Rahmen der Schließung anderer kommunaler Badeanstalten früher gegebene Versprechen werden nicht eingehalten.
 

AND THE WINNER IS... DAS AGGERFREIBAD!

Es ist durch!

Zweifel, Ärger, Müdigkeit, zeitweilige Euphorie und Frustration sind vergessen. Bei der Ratssitzung, am 7.5. 2019 wurde nicht nur die Zulässigkeit des Bürgerbegehrens festgestellt. Auf Antrag von Alexander Biber wurde der Antrag des Bürgerbegehrens zu 100 % angenommen. Die Ratsmitglieder haben die Fragestellung des Bürgerbegehrens übernommen und abgestimmt. Diese lautete, etwas umständlich, aber aus formalen Gründen so schwierig verständlich, dafür rechtlich korrekt: „Sollen die von der Stadt Troisdorf entsandten Mitglieder im Aufsichtsrat der TroiKomm und der Vertreter der Stadt Troisdorf in der Gesellschafterversammlung der TroiKomm damit beauftragt werden, über gesellschaftsrechtliche Weisungen die Geschäftsführung der AGGUA GmbH zu verpflichten, dass bei der Modernisierung des Troisdorfer Freibades das 50 m Schwimmerbecken und das Tauchbecken mit einem sanierten Sprungturm erhalten bleiben?“

Die Mitglieder des Rats haben fast einstimmig dafür gestimmt, es gab nur 2 Enthaltungen. Damit ist dieses Bürgerbegehren das erste erfolgreiche in der Geschichte der Stadt Troisdorf, das auch ohne Änderung angenommen wurde.

Was wir gerne noch klarstellen möchten!

Es folgte eine Diskussion, in der die Vertreter aller Parteien ihren Standpunkt erläuterten. Unglaublich, aber wahr, wurde dem Bürgerbegehren vorgeworfen, die Bedürfnisse der Nichtschwimmer außer Acht gelassen zu haben. Die Parteien mögen sich jetzt streiten, vielleicht müssen leider solche Eitelkeiten und Polemik im Politikalltag sein. Wichtig ist doch, dass dieses Mal fast alle Parteien den Beschluss mittragen. Was wir erreichen wollten, haben wir erreicht, jetzt geht es „nur“ noch um die operative Umsetzung. Gewonnen haben das Aggerfreibad und die Bürger der Stadt.

Wir legen Wert auf die Feststellung, dass wir auf keinen Fall die Nichtschwimmerbedürfnisse vernachlässigt haben! Wer unserer Argumentation gefolgt, unser Material aufmerksam gelesen und vielleicht sogar mal mit uns persönlich gesprochen hat, hat verstanden, dass es uns um ein Freibad für ALLE geht.

Zum Zeitpunkt des Starts des Bürgerbegehrens war der Stand der Dinge so, dass es auf jeden Fall ein neues Schwimmbecken auf Stelzen mit einer Tiefe von 1,35 m geben sollte. Dafür gab es einen Beschluss. Für uns ein Nichtschwimmerbecken, das den Bedürfnissen von jugendlichen und erwachsenen Schwimmer in keiner Weise entsprach. Damit das Freibad auch tatsächlich ein Freibad für ALLE sein konnte, mussten das Schwimmerbecken und die Sprunganlage erhalten bleiben. Unter dieser Prämisse sind wir gestartet.

Wir haben sehr erfolgreich Unterschriften gesammelt. Erfolgreicher als wir selbst und bestimmt auch die Aggua-Verantwortlichen und politischen Vertreter gedacht haben. Weit mehr als 10 % der Einwohner Troisdorfs haben ihre Stimme für den Erhalt der beiden Becken abgegeben. Keiner hat für die Abschaffung eines Nichtschwimmerbeckens gestimmt!

Nach Abgabe unserer Unterschriften wurde „vor dem Hintergrund sich abzeichnender Kostensteigerung in den Tief- und Hochbaugewerken,...“ – wohlgemerkt, da geht es noch gar nicht um Folgekosten des Bürgerentscheids, „ ...und dem zurzeit anhängigen Bürgerbegehren zum Erhalt des bestehenden 50-Meter-Schwimmerbecken und des Sprungbeckens, (...) einstimmig beschlossen, die Umsetzung der bisherigen Planungen bis zu einer inhaltlichen Entscheidung des Rates über das Bürgerbegehren auszusetzen.“
Mit diesem Beschluss, zitiert aus der Pressemitteilung des Agguas, ist das Stelzenbecken auf Eis gelegt worden.

Was sollten wir nun tun? Etwa ein weiteres Bürgerbegehren starten, damit das Aggerfreibad auch für Nichtschwimmer attraktiv bleibt? Mitnichten. Dieses Ei haben sich die Verantwortlichen selbst ins Nest gelegt und das Problem müssen sie selbst lösen. Aber bitte, ohne uns den schwarzen Peter zuzuschieben.

Stelzenbecken für Nichtschwimmer? Erhalt des vorhandenen Nichtschwimmerbeckens? Kinderplansch- und Spielmöglichkeit auf Stelzen? Alles, was der Sache, nämlich ein Freibad für ALLE, dienlich ist, ist uns recht. Hauptsache ALLE finden nachher im Freibad eine Möglichkeit auf ihre Kosten zu kommen. Wir vertrauen darauf, dass die Experten nun eine gute Lösung finden, und das hoffentlich auch in einem angemessenen Zeitrahmen.

Wie bewerten wir nun dieses Ergebnis?

Positiv! Wir sind zuversichtlich, dass die Verantwortlichen zeitnah eine gute Lösung finden. Wir werden den weiteren Fortgang auf jeden Fall verfolgen und uns melden, wenn da etwas aus unserer Sicht nicht richtig läuft. In der Ratssitzung wurde „höchstmögliche Transparenz“ zugesichert und einzelne selbstkritische Stimmen haben vorsichtig angedeutet, dass die, - auch gewachsenen- Entscheidungsstrukturen in Troisdorf vielleicht nicht ganz glücklich sind. Das Bürgerbegehren hat gezeigt, dass die Ausnutzung demokratischer Mittel erfolgreich sein, Gehör finden, und politische Entscheidungsträger zu einem Umdenken bringen kann – und kontinuierliche Verbesserung ist immer gut.

Zum Schluss die Danksagung

Wir bedanken uns bei allen Unterstützern und Unterschreibern! Genannt seien hier vor allem die DLRG, der Sub Aqua Club und die Troisdorf Fun Divers. Danken müssen wir auch der SPD und Angelika Blauen sowie Markus Hüsges stellvertretend für den Rückhalt, den wir bei den Grünen gefunden haben, der gesamten SPD, angeführt von Frank Goossens und Harald Schliekert, sowie den Linken für die vielen Stunden, die sie mit dem Unterschriftensammeln verbracht haben. Udo Schumpe für seine tollen Aggua-Bilder, Armin Stross-Radschinski, für seine kreative Kampagnenideen und deren Umsetzung. Dem Rechtsanwalt, der wahrscheinlich wegen unserer ständigen Nachfragen völlig genervt war und, uns bei der Formulierung dieser komplizierten Fragestellung geholfen hat, den Leuten von „Mehr Demokratie“. Es gab auch Motivation von einzelnen CDU-Anhängern, dafür auch danke. Wir danken den Troisdorfer Geschäftsleuten, die uns erlaubt haben, unsere Unterschriftenboxen bei ihnen aufzustellen oder in ihren Geschäftsräume Unterschriften zu sammeln. Allen, die auf eigene Initiative und ohne unser Wissen die Unterschriftenlisten ausgelegt haben, der Bühnengesellschaft Sieglar, den Naturfreunden Spich. Und schließlich, allen Privatleuten, die mit eindrucksvollem Engagement, Unterschriften gesammelt und Werbung für unser Anliegen gemacht haben. Ich würde euch namentlich nennen, wenn wir das vorher abgesprochen hätten. Ihr wart toll! Allen Unterschreibern danken wir selbstverständlich auch, ohne euch wäre das nicht gegangen! Schließlich danken wir auch den Vertretern der Stadtwerke, Troikomm und des Agguas, mit denen wir Kontakt hatten, für eine gute und konstruktive Atmosphäre. Und wenn man es genau nimmt, müssen wir an dieser Stelle auch noch den Vertretern der CDU, Grünen und Regenbogen danken, dafür, dass sie letztlich den Mut hatten, eine einmal getroffene Entscheidung zu revidieren.

Auf ein Wiedersehen im Aggerfreibad!

 
 

Thema

Am 14. August 1938 wurde das Troisdorfer Strand- und Sportbad eröffnet.

Lesenswerter Artikel zum 75.Geburtstag des Freibades aus der Ausgabe 2/2013 des Stadtwerkemagazins InTro: "...Immerhin war es in der damaligen Zeit das erste weit und breit, das über ein imposantes Schwimmerbecken verfügte..."

DGfdB-Freibadbefragung 2018: Steigerung der Besucherzahl um 56%

An bundesdurchschnittlich 115 Betriebstagen kamen 61.188 Besuchen pro Freibad. 2017 waren es 41.316. Eine Steigerung um 56% - in NRW sogar um 70% im Vergleich zum Vorjahr.

Bedeutung für Sicherheit und Ehrenamt

Über die dramatischen Folgen des Freibadumbaus für die öffentliche Sicherheit, wenn dieser wie geplant umgesetzt wird.

Ein Freibad für alle Troisdorfer

Gesellschaftliche Mitbestimmungsrechte jetzt nutzen! Zugunsten eines attraktiven Freizeitangebotes in unserer Stadt

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