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Der Rat der Stadt Troisdorf hat ohne Bürgerbeteiligung jede Verfügung über das ehemals kommunale Freibad endgültig in nichtöffentliche Gremien der Betreibergesellschaften verschoben. Das bedeutet eine Beseitigung aller vorhandenen Schwimmbecken und deren Ersatz durch ein einziges Nichtschwimmerbecken. Die Wasserfläche wird auf 1/5 reduziert. Das ehemalige Freibad wird durch einen Spielplatz ersetzt. Das geplante Angebot ist primär auf Familien mit kleineren Kindern ausgelegt und legt auf aktives Schwimmen keinen Wert mehr. Die Inanspruchnahme der geplanten Attraktionen wird nach unserer Einschätzung den Aufenthalt für alle Besuchergruppen verteuern und die Interessen von Jugendlichen, Rentnern und Vereinen werden vernachlässigt. Im Rahmen der Schließung anderer kommunaler Badeanstalten früher gegebene Versprechen werden nicht eingehalten.
 

Ratsentscheidung beruht auf Fake-News?

Diese Argumente präsentierte die Geschäftsführung der Troikomm dem Rat für den sog. "Umbau" in der Ratssitzung vom 04.12.2018:

  1. Kein Verlust. Es wird suggeriert, die Planung sei mit den Nachbarkommunen abgestimmt und diese könnten wegfallende Angebote auffangen: „…im Gegensatz zu den üblichen Schwimmbädern in der Umgebung, bei denen es eher um den sportlichen Bereich ging […] haben wir […] damals im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit […] unser Augenmerk verstärkt auf die Bereiche Sauna, Kinder und Familie gelegt…“. 

    Stimmt das?
    Zumindest die wahrscheinlich mit am stärksten betroffene Nachbargemeinde Siegburg weiß von einer solchen Absprache offenbar nichts.
  2. Kein Bedarf. Es wird suggeriert, die Vereine bräuchten das Freibad nicht: „… DLRG und SubAqua nutzen das Freibad mit 20 und 50 Personen pro Woche […] Das heißt, es kommt durch diese zwei Vereine nur zu einer Nutzung von 3,16% des 50-m-Beckens…“.

    Stimmt das?
    Die genaue Berechnungsmethode und deren Sinn bleibt der Geschäftsführer schuldig. Vielleicht 50 DLRG’ler durch die Anzahl aller Nutzer = 3,16%? Tatsache ist, dass die Rettungsübungen im tiefen Wasser durchgeführt werden müssen und deshalb künftig in das Sportbecken nach innen verlegt werden. Die dafür notwendigen Zeiten stehen den Schwimmvereinen dann nicht mehr zur Verfügung. Eine Angabe der Zeiten wäre hier wohl angebracht und sinnvoller?
  3. Keine Nachfrage. Eindeutig sinkender Trend bei den Besucherzahlen: „…Besucherzahlen sinken. Diese Zahl ist vom Hitzesommer 2003 mit 3.637 Besuchern zum Hitzesommer 2018 auf 1.200 Besucher gesunken…“

    Stimmt das?
    Das Oktopus-Bad in Siegburg meldete bereits im August 2018 einen absoluten Rekord der Besucherzahlen. „Das Jahresziel wird sicher locker übertroffen“. Zahlen in Bad Honnef gehen durch die Decke. Großer Andrang in Königswinter. Die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen belegt in Deutschland einen Besucherzuwachs von 60% gegenüber 2017. Warum nicht in Troisdorf?
  4. Freibad ist unzeitgemäß. Es wird suggeriert, Umfragen würden ein verändertes Freizeitverhalten belegen: „… Wir haben rund 450 Rückmeldungen bekommen. 102 Teilnehmer haben nicht gesagt, woher sie kommen. 195 kommen aus Troisdorf aber 152 kommen aus der Region…“.

    Stimmt das?
    Troisdorf hat ca. 80.000 Einwohner. Die Aussage stützt sich also auf beeindruckende 0,2%. Die Befragung war weder repräsentativ noch methodisch. Angekreuzt werden konnte „Spielen“ und „Rutschen“, nicht aber: Schwimmer- oder Sprungbecken (Trotzdem gab es offenbar Teilnehmer die diese Möglichkeit selbständig auf dem Zettel ergänzt haben).
  5. Der Umbau bedeutet eine Vergrößerung. Suggeriert wird, dass die Flächen zum Schwimmen erweitert würden: „…Wir haben ein Freibecken (geplant) mit 500 qm, das übrigens 60% größer als das Schwimmbecken im Hallenbad ist…“

    Stimmt das?
    Mag sein dass es 60% mehr Fläche als das Becken in der Halle hat. Aber war das die Frage? Tatsache ist, dass im Außenbereich derzeit 2.400 qm Wasserfläche existieren. Das sind dann 80% weniger.

Fazit: Wenn der Rat der Stadt Troisdorf seine Zustimmung zu den Umbauplänen auf der Grundlage dieser Präsentation gegeben hat, frage ich mich, ob er nicht irgendwie getäuscht wurde?

 
 

Thema

Am 14. August 1938 wurde das Troisdorfer Strand- und Sportbad eröffnet.

Lesenswerter Artikel zum 75.Geburtstag des Freibades aus der Ausgabe 2/2013 des Stadtwerkemagazins InTro: "...Immerhin war es in der damaligen Zeit das erste weit und breit, das über ein imposantes Schwimmerbecken verfügte..."

DGfdB-Freibadbefragung 2018: Steigerung der Besucherzahl um 56%

An bundesdurchschnittlich 115 Betriebstagen kamen 61.188 Besuchen pro Freibad. 2017 waren es 41.316. Eine Steigerung um 56% - in NRW sogar um 70% im Vergleich zum Vorjahr.

Bedeutung für Sicherheit und Ehrenamt

Über die dramatischen Folgen des Freibadumbaus für die öffentliche Sicherheit, wenn dieser wie geplant umgesetzt wird.

Ein Freibad für alle Troisdorfer

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